Gelesen 1/2021

Januar 9, 2021 - Lesezeit: 3 Minuten

Schon im letzten Herbst las ich erneut Albert Camus' Die Pest. Das Buch blieb mir ähnlich haften wie schon beim ersten Lesen vor einigen Jahren, wobei diesmal andere Dinge in den Vordergrund rückten.

Ich ertappte mich immer wieder dabei, Parallelen zwischen dem Pestausbruch und unserer (im Vergleich) "freundlichen" Pandemie zu finden. Viele Dinge scheinen wirklich ähnlich zu verlaufen.

Bis das Ereignis tatsächlich von der breiten Masse verstanden ist, dauert es sehr lange. Die Situation erscheint abstrakt und unwirklich. Und solange man niemanden kennt, den es "erwischt hat", besteht immer die Möglichkeit, sich in gefühlter Sicherheit zu wiegen. Gerade diese gefühlte Sicherheit ist gefährlich und ich vermute, dass sie erheblich dazu beiträgt, dass man den Ernst der Lage falsch einschätzt.

Bei der Pest kommt irgendwann der Moment, in dem auch dem letzten klar wird, dass mit der Seuche nicht zu verhandeln ist. Dann sind die Straßen auch ohne Verordnung leer gefegt und das Heulen der Krankenwagensirenen löst Beklemmung aus. Davon sind wir zumindest in Deutschland zum Glück bisher weit entfernt. Hoffentlich bleibt es so.

Ebenso garantiert scheint eine "langsame Kenntnisnahme" zu Beginn. Man hat recht große Gewissheit, womit man es zu tun hat, aber zögert das Unvermeidliche Tage oder Wochen hinaus - Was sich bei hochinfektiösen Krankheiten im Nachhinein betrachtet immer als fragwürdig erwiesen hat.

Ein weiterer Punkt, praktisch der Elefant im Raum ist das Erlebnis für die Menschen "an der Front". Mir scheint, dass es hier ab dem Punkt der Überlast keinen so großen Unterschied macht, womit man es zu tun hat. Das Personal wird unbarmherzig zerrieben und kann doch nicht aufgeben.

Das ist auch ein zentrales Thema im Buch. Trotz der Ausweglosigkeit der Situation bleibt nichts, außer weiterzumachen und die Dauerbelastung auszuhalten.


Cartarescus Solenoid wartet schon eine ganze Weile darauf, weitergelesen zu werden. Das Buch ist sehr ungewöhnlich, sowohl in der Aufmachung als auch inhaltlich. Die Perspektive der Hauptperson pendelt zwischen ekelhaft, deprimierend und faszinierend hin und her. Tatsächlich beunruhigt mich das Lesen diese Buchs eher als viele andere Dinge momentan. Entsprechend wird es damit erst in einigen Wochen weitergehen.

Überbrückt wird derzeit mit Peter Frankopans Die Neuen Seidenstraßen am äh ... unteren Ende meiner Toleranzschwelle für Sachbücher. Die Hälfte ist etwa geschafft und mir drängt sich der Eindruck auf, dass hier weniger mehr gewesen wäre. Vielleicht braucht es aber auch Fülltext, um den Gedanken, die besprochen werden, etwas Raum zu geben.