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Fragwürdige Wetten

Oktober 30, 2017 - Lesezeit: 2 Minuten

Immer, wenn ich in Gedanken zur atomaren Auslöschung gelange, kommt Gott besorgt vorbei und fragt nach, was es mit diesen spezifischen Ängsten auf sich hat.

Ich glaube, dass er einen atomaren Ausrutscher für eine der wahrscheinlichsten Sudden Deaths der Menschheit hält. Irgendein Irrer ordnet nach einem missverständlichen Tweet die Torpedierung eines fremden Landes an und bringt den kurzen, aber effektiven 3. Weltkrieg in Gang.

Ich hatte Gott schon eine Weile nicht mehr gesehen und war erstaunt, als ich ihn durch die Decke schweben kommen sah. Ich habe an meinen Falten gearbeitet, konterte er meinen erstaunten Gesichtsausdruck. Und du brauchst dich auch gar nicht bei mir beschweren, dass sich deine Falten jedes Jahr tiefer in deine Haut graben.

Ich würde gerne wieder eine sinnlose Diskussion zum Thema Was ich wirklich will anfangen, aber ich weiß jetzt schon, dass er sich wieder herauswinden wird und ich mich schlecht dafür fühle, das Thema überhaupt angesprochen zu haben.

In einer stillen Stunde verriet er mir, dass er sich nur um eine Möglichkeit mehr Sorgen mache: Meteoriten. Die kommen einfach, egal wie nett oder barbarisch die Menschen gerade miteinander umgehen. Er hat ein paar Wetten bei einem Buchmacher seines Vertrauens am Laufen, bei denen es darum geht, ob die Menschen bis zu diesem Zeitpunkt einen anderen Planeten kolonialisiert haben oder nicht.

Ob er auch auf die atomare Auslöschung der Menschheit wette, fragte ich ihn. Er schaute mich durchdringend mit seinen gütigen Augen an. Eine kleine Falte bildete sich spontan auf seiner Stirn, eine ganz schmale zwischen den Augen.

Damit hatte ich mein Ziel für heute erreicht.


Update 2020-01-15: Rechtschreibfehler korrigiert


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Sandige Grenzen

August 13, 2017 - Lesezeit: 2 Minuten

In letzter Zeit habe ich ein paar Meinungsverschiedenheiten mit Gott. Speziell geht es um das Wetter und meine – zugegeben subjektive – Ansicht, dass es schon seit geraumer Zeit ungerecht „verteilt“ wird.

Er verdreht bei Themen wie diesem regelmäßig die Augen. Er kann es nicht mehr hören. Jeder zweite beschwert sich unregelmäßig über Klima oder Wetter, berichtet er mir.

Tja, meinte ich zuletzt zu ihm, warum änderst du dann nicht mal was daran?
Es war mir so rausgerutscht, aber er antwortete nicht, denn er wusste schon, dass ich mir die Frage beantwortet hatte, bevor ich sie vollständig formulieren konnte.

Jeder mag das Wetter anders, ich weiß. Der eine will 35 Grad im Schatten, der andere 15 Grad im Regen. So ist das halt.

Trotzdem muss es einen Kompromiss geben können. Eine Variante, die bei den meisten für die meiste Zeit als akzeptabel hingenommen werden kann.

Gottes engelsgleiche Ruhe wurde durch meine Überlegungen und Vorschläge letztlich doch etwas aus dem Gleichgewicht gebracht und er sah sich genötigt, etwas zu erwidern.

Mein Sohn, du machst dir das zu einfach. Wenn ich anfange, in das Wetter einzugreifen, dann begehe ich den ersten Schritt zur Zerstörung des Experiments, dessen Teil auch du bist.
Die Experiment-Sandbox, in der du dich befindest, darf nur an wenigen Stellen von außen verändert werden, um das Experiment nicht sinnlos zu gefährden. Aber im Grunde ist alles den Wesen und Ereignissen im Experiment überlassen. So gerne ich manchmal eingreifen würde, es wäre ein Fehler.

Ich war einigermaßen beeindruckt. Mir stellten sich allerdings sofort zwei Fragen:

  1. Was sind das für Stellen, die von außen angepasst werden?
  2. Gibt es noch andere Experimente?

Gott erahnte meine Fragen wohl und lächelte allwissend. Das ist seine Art mir zu zeigen, dass ich auf diese Fragen definitiv keine Antworten erhalten würde.


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Relativ Alanis

Juli 19, 2017 - Lesezeit: 2 Minuten

Ich glaube nicht an den Zorn, sagt mir Gott immer, wenn ich ihn frage, ob sich eine Wette auf den atomaren Untergang der Menschheit lohnt.

Darauf entgegne ich, dass es ja auch aus Versehen oder durch einen Verwirrten passieren kann.

Gott geht auf diesen Einwand in der Regel nicht ein und starrt gedankenverloren die Wand an. Diese Möglichkeit ist einfach nicht weit genug hergeholt.
Wenn ich eine Wette um den Weltuntergang durch Knuddeln abschließen wollte, würde er mich auslachen – viel zu schlechte Quoten.

In manch ruhiger Stunde spricht mich Gott auf seine Kreaturen an. Dass er viele Entwicklungs-Parameter durch DNA stark veränderlich gemacht hat, ist manchmal ein Grund kindlicher Freude, aber noch öfter für mehr Falten auf diesem unsagbar alten Gesicht. Aber das hat er sich selbst zuzuschreiben. No risk, no fun.

Als ich ihn einmal auf seine Falten ansprach, begann er zu lachen und klärte mich auf: Du siehst vielleicht Falten, aber das ist ganz deinen Erwartungen an mich geschuldet. Andere Menschen sehen mich als ein Kind, wieder andere als Alanis Morisette. Das ist alles relativ.

Damit wäre ich am zentralen Kritikpunkt meiner Konversationen mit Gott. Er relativiert alles. Nur weil er alles im Blick hat, meint er, dass man die Dinge nicht nur schwarz und weiß sehen sollte.

Ich bin aber nur ein Mensch. Ab und an sind Dinge für mich schwarz oder weiß. Vielleicht sind sie es nach einer erholsamen Nacht nicht mehr, aber dieses ständige „Alles ist relativ!“ finde ich relativ nervig.

Aber wieso beschwere ich mich. Insgesamt habe ich zu dem alten Herrn ein gutes Verhältnis. Viele haben schließlich gar keines und das muss doch ziemlich elend sein. So von Gott verlassen zu sein.