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Hermann Hesse: Der Steppenwolf

Februar 20, 2016 - Lesezeit: 3 Minuten

Inhalt

Da ist also dieser Harry Haller. Der Mann ist gebildet und belesen, denkt viel und macht wenig. In seinem Kopf spukt die Idee, er wäre in zwei Charaktere geteilt – den zivilisierten Menschen und den animalischen Steppenwolf. Diese beiden können sich nicht leiden, so die Kurzfassung seines Problems mit den beiden.

Im Großen und Ganzen macht ihn das ausgesprochen unglücklich. So unglücklich, dass er sich am liebsten umbringen würde. Vielleicht ab seinem 50. Geburtstag. Aber vielleicht auch nicht. Das Leben ist schließllich kein Ponyhof.

Als Harry nun Hermine kennenlernt, eine Person, die äußerlich so ganz das Gegenteil seiner Person darstellt, merkt er endlich, dass es noch einiges mehr im Leben gibt als Trübsal blasen. Zum Beispiel Tanzen lernen und mit deutlich jüngeren Frauen schlafen.

Höhepunkt des neuen, glanzvolleren Lebens ist der Besuch eines Maskenballs, bei dem Harry unter Drogen Einlass in eine Art Theater gewährt bekommt, in dem er allerlei Ideen und frühere Abschnitte seines Lebens wiedererleben und verändert wahrnehmen kann. Dass seine einfache Einteilung Mensch – Wolf unzureichend ist, wird ihm erneut bewusst gemacht.

Letztlich kann Harry sich auf dieser Spielwiese für immer austoben und die Dinge mit Humor nehmen. Denn schließlich ist ohne Humor alles zwecklos.

Einschätzung

Die erste Hälfte des Buches war schwer zu lesen. Harrys Neurosen haben ihn fest im Griff und auf Dauer ist die Schilderung seines Leids und seines Alltags ermüdend. Mit der Andeutung eines anderen Lebens mit deutlich reduzierter Anzahl von Zwängen geht es scheinbar aufwärts im Leben des Harry Haller.

Gleichzeitig scheint er sich von der Realität abzukapseln. Wie schon der Erzähler zu Beginn des Buches zu berichten weiß, ist nicht klar, an welchen Stellen das Erzählte in Fiktion übergeht. An einigen Stellen, zumeist wenn sich die abschließende Veranstaltung des Buchs ankündigt, scheint die Realität überwunden. Sprüche wie „Zutritt nur für Verrückte“ erhärten diesen Eindruck.

Entsprechend kann man sich kaum sicher sein, wer gegen Ende nicht nur eine Persönlichkeit aus Harrys Kopf ist. Gibt es Hermine wirklich? Wer ist Pablo, der mysteriöse Musiker?

Statt einem Befreiten (bzw. einen sich auf eine Befreiung Zugehenden) sehe ich am Ende einen Mann, der zusehends den Verstand verliert und scheinbar gut damit leben kann, sich in die (angeblich tabuisierte) Schizophrenie zu flüchten. Wobei ich vermute, dass Hesse den Begriff hier etwas überstrapaziert. Das Ich eines Menschen als eine Sammlung vieler verschiedener und veränderlicher Unterpersönlichkeiten zu betrachten, entprach 1927 sicherlich einer fortschrittlichen Denkweise.

Aber humorvoll lachend in den Wahnsinn schlittern und dabei unter Drogen mit den eigenen Vorbildern über das Leben philosphieren anstatt der üblichen Depressionen nachhängen? Wohl am besten beides nicht.

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T. C. Boyle: Hart auf Hart

Oktober 1, 2015 - Lesezeit: 2 Minuten

Handlung

Adam, der sich von Aliens verfolgt fühlt, nichts lieber tut, als im Wald Drogen anzubauen und so gar nicht den bescheidenen Wünschen seiner Eltern entsprechen will, trifft per Zufall auf Sara. Diese ist einige Jahre älter, aber nicht weniger verrückt und erkennt die staatlichen Autoritäten nicht an. Zusammen befreien sie ihre Hündin Katya, die Sara nach einer Polizeikontrolle zeitweise weggenommen wird.

Das etwas unwahrscheinliche Pärchen kommt eine Zeit lang gut miteinander aus, auch wenn Adam sich selten blicken lässt. Jeder für sich kann mit dem jeweils anderen gewisse Bedürfnisse stillen.

Zunehmend verliert Adam allerdings den Verstand, bleibt immer länger weg und kommt kaum noch aus seiner Pfadfinder/Waldläuferfantasie heraus. Schließlich sieht er sich genötigt, in eine Art Krieg gegen alles und jeden zu ziehen (Sara ausgenommen). Auf dem Weg zum unvermeidlichen Ende schießt er sich in so mancher Situation mit seiner chinesischen Norico den Weg frei und scheut nicht davor zurück, das eine oder andere Menschenleben dabei auf der Strecke zu lassen.

Adams Eltern versinken derweil in Gram und Schuld, können ihren lebenstechnisch eingeschlagenen Pfad nicht mehr verlassen. Am Ende bleibt nur noch profane Ablenkung.

Einschätzung

Über lange Strecken musste ich mich durch das Buch kämpfen. Ich kann nicht einmal genau sagen, wieso. Die Charaktere sind recht verschieden und wie bei T. C. Boyle üblich etwas schräg. Vielleicht ist es daher die Handlung, die mich nicht ganz überzeugen konnte.

Gegen Ende wurde es noch einmal etwas spannender und entgegen meiner Erwartungen war es mir letztlich doch nicht egal, dass Adam erschossen wird. Trotzdem kann ich das Buch in Sachen Spannung nur eingeschränkt empfehlen (im Gegensatz zu „The Tortilla Curtain“/“América“).