Jørgen Randers: 2052-A Global Forecast for the Next Forty Years

Oktober 23, 2021 - Lesezeit: 3 Minuten

2012, also 40 Jahre nach dem Erscheinen des Berichts The Limits to Growth hat sich einer der Mitautoren mit Experten genug Gedanken gemacht, um eine halbwegs konkrete Prognose für die kommenden Jahrzehnte abgeben zu können.

Randers lässt Experten aus verschiedensten Bereichen sprechen und kommentiert deren Voraussagen (Zu seiner Überraschung kommt es dabei zu keinen groben Aureißern, was effektiv wohl als schlechtes Zeichen in Bezug auf die Auswahl der Experten gewertet werden müsste).

In der Randers-Zukunft des Jahres 2052 ist das, was man allgemein als Natur bezeichnet drastisch dezimiert und entdiversifiziert. Man wird auf erneuerbare Energien umgestiegen sein, wenn auch recht spät. Leben in einigen Regionen der Welt wird schwer bis unmöglich (die aktuell kälteren Regionen profitieren).

Das Leben ist noch deutlicher durch Vernetzung und virtuelle Welten geprägt. Der Generationenkonflikt hat sich deutlich verschärft, weil die Jugend mit dem bisherigen "Business-Modell" nicht mehr einverstanden ist.

Das Kräfteverhältnis der Staaten hat sich zugunsten Chinas gewandelt (groß und handlungsfähig). Vor allem die USA verlieren, wobei insgesamt alle sogenannten entwickelten Staaten verlieren bzw. stagnieren - allerdings nicht in so großem Maße wie manche Apokalyptiker befürchten. Viele Schwellenländer profitieren, arme Länder bleiben arm. Es gibt viele regionale Konflikte um Ressourcen.

Im Angesicht konkreter Probleme ist der Mensch also mit viel Verspätung in der Lage, gravierenden Entwicklungen entgegenzusteuern. Randers ist relativ optimistisch, dass der Mensch bis 2052 einen großen Schritt Richtung Verschmutzungsverminderung gegangen sein wird (und es wird bei weitem nicht so teuer oder von Verzicht geprägt wie gerne behauptet wird).

Wie es allerdings danach weitergehen könnte, ist ihm (nachvollziehbarerweise) nicht klar, wobei es Zeichen für eine selbstverstärkende Wirkung des Klima"wandels"/ der Klimakatastrophe, wenn nicht deutlich gegengesteuert wird.

Randers wäre dabei gerne optimistisch, hat aber aus den letzten Jahrzehnten erkannt, dass die Fähigkeit zum vorausschauenden, rationalen Handeln beim Menschen im Kontext der Klimaprobleme eher unzureichend ist.

Im letzten Abschnitt des Buchs fasst Randers nochmal alles zusammen und gibt ein paar persönliche Handlungsempfehlungen. Ehrlich gesagt fand ich diesen Abschnitt problematisch ("Lernt Mandarin!"). Vielleicht ist das als Kurzanleitung für Lesefaule / Leute "ohne Zeit" gedacht.

Eine Menge der Thesen erscheinen für viele heute noch unrealistisch oder kaum haltbar, sind rational aber alles andere als abwegig (z.B. künftige Dominanz Chinas). Wobei auch hier, wie schon im Bericht The Limits to Growth eher das Gesamtbild wichtig ist. Generell ist eine konkretere Prognose einer unspezifischen unterlegen, weil z.B. Ausreißer oder chaotische Änderungen nicht so leicht vorhergesehen werden können.

Was sich allerdings sehr deutlich heraushören lässt ist die Dringlichkeit. Nur mit einer Gratwanderung lässt sich größtes Unheil abwenden. Die Frage ist nur noch, wieviel sich verhindern lässt und ob die Entwicklung überhaupt noch steuerbar ist.